Jesus — Isa auf Arabisch — nimmt im Islam einen Platz tiefer Ehre ein. Er ist einer der größten Propheten, und sowohl er als auch seine Mutter, Maryam (Maria), werden verehrt. Zugleich unterscheidet sich das islamische Verständnis dessen, wer Jesus ist, in wichtigen Punkten vom christlichen Glauben.91011

Der Messias, geboren von der Jungfrau Maryam

Der Quran bestätigt die jungfräuliche Geburt von Isa und nennt ihn den Messias (al-Masih):

"O Maryam, Allah verkündet dir ein Wort von Ihm, dessen Name al-Masih 'Isa, der Sohn Maryams ist, angesehen im Diesseits und Jenseits."

— Quran 3:45 (Bubenheim & Elyas)1

"Mein Herr, wie sollte ich ein Kind haben, wo mich (doch) kein menschliches Wesen berührt hat? … So (wird es sein); Allah erschafft, was Er will."

— Quran 3:47 (Bubenheim & Elyas)2

Ein Prophet und Diener Gottes

Im Quran beschreibt sich Isa zuerst und vor allem als Gottes Diener und Prophet:

"Ich bin wahrlich Allahs Diener; Er hat mir die Schrift gegeben und mich zu einem Propheten gemacht."

— Quran 19:30 (Bubenheim & Elyas)3

Er vollbrachte große Wunder — aber immer mit Allahs Erlaubnis, nie aus eigener göttlicher Macht:

"…ich werde mit Allahs Erlaubnis den Blindgeborenen und den Weißgefleckten heilen und werde Tote mit Allahs Erlaubnis wieder lebendig machen."

— Quran 3:49 (Bubenheim & Elyas)4

Geehrt, aber nicht göttlich

Hier zieht der Islam eine klare Linie. Muslime lieben und verehren Isa, glauben aber, dass er ein menschlicher Gesandter ist, nicht Gott und nicht der Sohn Gottes:

"Al-Masih, der Sohn Maryams, war doch nur ein Gesandter, vor dem bereits Gesandte vorübergegangen waren."

— Quran 5:75 (Bubenheim & Elyas)5

"O Leute der Schrift, übertreibt nicht in eurer Religion … sagt nicht Drei. Hört auf (damit), das ist besser für euch! Allah ist nur ein Einziger Gott."

— Quran 4:171 (Bubenheim & Elyas)6

Dies ist der zentrale Unterschied zum vorherrschenden Christentum, das Jesus für göttlich hält. Der Islam ehrt ihn zutiefst als Propheten, während er die absolute Einheit Gottes (Tawhid) wahrt.

Die Kreuzigung

Der Islam unterscheidet sich auch hinsichtlich des Endes von Isas irdischem Leben. Der Quran lehrt, dass er nicht getötet oder gekreuzigt wurde, sondern von Gott erhoben wurde:

"Sie haben ihn weder getötet noch gekreuzigt, sondern es erschien ihnen so. … Vielmehr hat Allah ihn zu Sich erhoben. Allah ist Allmächtig und Allweise."

— Quran 4:157-158 (Bubenheim & Elyas)7

Die Wiederkehr Jesu

Die islamische Tradition hält auch fest, dass Isa vor dem Ende der Zeiten zurückkehren wird. Der Prophet Muhammad ﷺ sagte:

"The son of Mary will soon descend among you and will judge mankind justly."

— Sahih al-Bukhari 3448 (Englisch)8

Kurz gesagt

Muslime halten Isa in höchster Ehre — als den Messias, wundersam von der Jungfrau Maryam geboren, ein mächtiger Prophet und Wirker von Wundern durch Gottes Erlaubnis, der am Ende der Zeiten zurückkehren wird. Doch im Islam bleibt er ein menschlicher Gesandter des einen Gottes, nicht göttlich — ein respektvoller, aber echter Unterschied zum Christentum.